Ein Wort zum Virus

Liebe Gemeinde,

das Virus kennt keine Katholiken, Blumenverkäufer, Lehrer, Krankenschwestern oder Kinder zuhause, es macht alle gleich und das öffentliche und private Leben wirken wie eingefroren. Für unsere Gemeinde ist es bitter, weil es keine Gottesdienste mehr gibt, die Pfarrheime geschlossen sind und alle Aktivitäten ruhen. Die Firmung ist ausgefallen, die Erstkommunion in Keppeln am Weißen Sonntag abgesagt und das wichtigste Fest der Christen, Ostern, können wir nicht gemeinsam feiern. Da sind wir mit allen anderen in einem Boot, die ebenfalls abgeschnitten sind von der Kraft des Zusammenseins. Auf der anderen Seite spüren wir einmal, was wir wirklich vermissen und brauchen. Was uns wirklich fehlt, das ist nicht unbedingt Klopapier, sondern sind die anderen. Hier zeigt sich, wer wirklich die Kirche ist, wir selbst. Den Geist hat niemand für sich allein, sondern nur die Gemeinschaft. Deswegen feier ich auch nicht die Messe allein in der Kirche vor leeren Bänken oder einer Videokamera. Die Kinder, die sich auf die Erstkommunion vorbereiten, haben gelernt, dass Kommunion übersetzt Gemeinschaft heißt. Und gerade die Kommunion, mit der wir auch den Empfang und die Gemeinschaft mit Christus bezeichnen, empfange ich dann etwa für mich allein in der abgeschlossenen Kirche? Nein. Das Virus kennt auch keine Priester, es macht uns alle gleich und lässt auch mich erfahren, wie sehr ich die Eucharistie vermisse als meine Lebensquelle mit allen, die kommen. Eucharistie geht nicht allein. Ihnen allen Geduld und Gottes Segen, Ihr Berthold Engels