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Tagesimpuls, Dienstag, 10. März 2015

Die tiefste Tröstung durch das Ostergeheimnis liegt darin, daß die Hoffnungslosigkeit, auch wenn sie noch so überwältigend erfahren wird, nicht das letzte Wort hat. Das Unglaubliche wird wahr, daß nämlich Glaube, Hoffnung und Liebe im Geist des auferstandenen Herrn nicht besiegt werden können. Ein Glaube, der den Tod nicht zu fürchten braucht, kann Vertrauen über Vertrauen schenken. Und eine Liebe, die sich nicht vor dem Weggeben scheut, erscheint zwar damals und heute als „unzumutbar“ oder gar „töricht“, hat aber eine alles verwandelnde Macht. Die letzte Tiefe einer solchen „Umkehr“ aus der Verlorenheit zum Heil wird an Jesus selbst offenkundig: Aus dem Verworfenen ist der Angenommene, aus dem Erniedrigten der Erhöhte, aus dem Toten der Lebende, aus dem Vergangenen der Kommende, aus dem Abwesenden der bleibend Gegenwärtige geworden. Nur so kann Hass in Liebe, Lüge in Wahrheit und Herzenshärte in Barmherzigkeit verwandelt werden.

Karl Kardinal Lehmann, 1998

Tagesimpuls, Montag, 9. März 2015

Die permanente Erreichbarkeit und ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten führen dazu, dass Stunden der Musse, Langeweile oder gar Leere rarer werden.

Daniela Kuhn, NZZ 7. Juli 2014

Noch nie wurde so viel Zeit gespart wie heute. In keiner anderen Epoche waren die Transportmittel schneller, wurden Waren in kürzerer Zeit produziert und war es möglich, Informationen in Echtzeit zu übermitteln. Paradoxerweise leben heute aber viele Menschen mit dem Gefühl, immer weniger Zeit zu haben. Die dank Technik gesparte Zeit scheint wie Sand zwischen den Fingern zu verrinnen. Das entsprechende, weitverbreitete Lamento ist relativ neu, denn das Leben der werktätigen Bevölkerung bestand in unseren Breitengraden während Jahrhunderten aus Arbeit. Am Sonntag ging man in die Kirche, es blieben ein paar freie Nachmittagsstunden. Erst der zunehmende Wohlstand, die Arbeitsteilung und der technische Fortschritt ermöglichten nach dem Zweiten Weltkrieg das, was wir heute Freizeit nennen. Während eines halben Jahrhunderts gestaltete sie sich eher beschaulich: Wer es sich leisten konnte, nahm Reitstunden, besuchte einen Sprachkurs, zog aus in die Berge oder tauchte in einen Roman ein. Am Arbeitsplatz wurden längere Pausen gewährt, der arbeitende Mann ging zum Mittagessen nach Hause.

Neue Wirtschaftsräume

Spätestens seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat ein Wandel stattgefunden: In vielen Berufen haben die Anforderungen zugenommen. Die Aufgaben sind komplexer geworden, das Tempo höher, längst sind Überstunden an der Tagesordnung. In der Stadt Zürich, dies ist einer Studie zu entnehmen, fühlt sich jeder zehnte Lehrer akut gefährdet, ein Burnout zu erleiden. Aber auch in anderen Berufen ertönen zunehmend Klagen über Überbelastung und Arbeitspensen, die weit in die Freizeit reichen. Kurzum, der freien Zeit geht es an den Kragen. Und zwar gleich doppelt: Sie wird nicht nur verkürzt, sie verändert sich auch qualitativ, zumal die klare Trennlinie zwischen Arbeitswelt und Privatleben spätestens seit dem Aufkommen des Smartphones der Vergangenheit angehört. Den Luxus, über einige Stunden oder gar Tage offline zu sein, können sich nur wenige Menschen leisten – die Hektik ist in der Freizeit angekommen. Ein Umstand, den sich eine ganze Industrie zunutze macht, indem sie Angebote schafft, die der inneren Unruhe entsprechen und den Drang nach permanenter Unterhaltung befriedigen. So sausen auf der Rodelbahn kreischende Menschen zu Tal, Seilparks locken «junge Abenteurer und Junggebliebene auf der Suche nach dem besonderen Nervenkitzel», und manche Eltern hintersinnen sich, was sie ihren Kindern in der Freizeit an möglichst ausgefallenen Unternehmungen bieten könnten. Auf einer einzigen Webseite findet sich eine Agenda mit über 4000 verschiedenen Freizeitaktivitäten, sortiert nach Preisen und Regionen. Und es boomt nicht nur das Geschäft mit der Aktivität, marketingmässig entdeckt wurde längst auch die Sehnsucht nach Ruhe. Der Yogakurs in der Südtürkei, drei Tage im Wellnesshotel oder eine Meditationswoche im Kloster verheissen inneren Ausgleich und Wohlbefinden. Sie werden zwar von Menschen gewählt, die nicht unter dem «horror vacui», der Angst vor der Leere, leiden und die es sozusagen wagen, sich mit sich selber zu beschäftigen. Der deutsche Soziologe Hartmut Rosa weist in seinem in der Zeitschrift «Psyche» erschienenen Beitrag zum Thema «Beschleunigung und Depression» allerdings darauf hin, dass diese bewusst geschaffenen «Entschleunigungsinseln» letztlich dem Zweck dienen, «das Berufs-, Beziehungs- und Alltagsleben danach umso erfolgreicher, das heisst, schneller zu bewältigen». So betrachtet, scheint es aus dem Hamsterrad kein Entkommen zu geben. In gehobeneren sozialen Schichten sind sogar auch Kinder und Jugendliche davon nicht ausgenommen (siehe Interview). Doch das Gehirn braucht immer wieder Phasen des Nichtstuns. «Langeweile und ein gewisser Leerlauf sind für unsere geistige und seelische Stabilität und Gesundheit unabdingbar», sagt Matthias Mettner. Der Sozialwissenschafter, Gerontologe und Dozent für interdisziplinäre Weiterbildungen organisierte in Zürich im vergangenen Jahr eine Tagung, an der über die Beschleunigungsgesellschaft aus philosophischer, soziologischer und medizinischer Perspektive diskutiert wurde. «Das Gefühl des Gehetztseins, das viele Menschen geradezu als Dauerzustand erleben, bedeutet die Unfähigkeit zur Musse», meint Mettner. Eine Unfähigkeit, deren Tragweite unterschätzt werde: «Das Nichtstun, der Müssiggang gilt als unproduktiv und als Verschwendung der Lebenszeit. Das ist ein grosser Irrtum.» Denn gerade Langeweile und passive Momente seien «die Voraussetzung für Einfallsreichtum und Kreativität, für wirkliche Produktivität, für Interesse und Lebensintensität». Für mehr Räume der Kontemplation plädiert auch Georg Bauer vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich: «Gerade angesichts der Arbeitswelt, deren Anforderungen gestiegen sind, wird die Qualität der Freizeit noch wichtiger. Doch es fehlt oft an Freiraum, um mental und emotional zu entspannen.» In der Forschung wird Stress als fehlendes Gleichgewicht zwischen psychosozialen Belastungen und zur Verfügung stehenden Ressourcen definiert, wobei die Anforderungen von aussen kommen. Bauer spricht daher nicht von Freizeitstress, sondern Freizeithektik. Tendenziell nehme sie zu, meint der Präventivmediziner: «Zum einen haben wir zu viele Optionen, zum anderen nehmen wir uns zu viel vor. Die ständige Erreichbarkeit macht es noch schwieriger.» Georg Bauers Rat ist ganz einfach: «Intensive Bewegung beruhigt den Geist, etwa Spazieren oder Joggen im Wald. Sich selber als Teil der Natur und von deren Jahreszeiten zu erleben, hat ebenfalls einen positiven Effekt.»

Eigensinnige Vorbilder

Gut belegt in der Forschung sei auch die unmittelbar entspannende Wirkung beim Hören von Musik. «Oder ganz altmodisch», meint Bauer lachend: «Ein gutes Gespräch, das im Dialog Distanz schafft zum eigenen Leben, hilft uns am meisten.» Mail- oder SMS-Kontakte sind damit aber nicht gemeint: «Sie sind Reize, kein Dialog.» Ein Fragezeichen betreffend die Freiwilligkeit der Freizeitaktivitäten macht er lediglich beim Umgang mit sozialen Netzwerken, da die externe Beobachtung einen Erwartungsdruck erzeugen könne: «Ich könnte mir vorstellen, dass zu wenig Beteiligung sanktioniert werden könnte.» Diese Art von sozialer Kontrolle betrifft wohl vor allem Jugendliche. Doch auch Erwachsene müssten laut Bauer bewusster und vermehrt zu ihren Grenzen stehen und diese auch bei der Arbeit «gegen oben» vertreten. «Obwohl heute einige Unternehmen freiwillig psychosoziale Belastungen und Ressourcen bei der Gesamtbelegschaft messen, liegt die Verantwortung für diese Themen immer noch stark beim Individuum», sagt Bauer. Es brauche daher neue Formen von Empowerment: «Die Multioptionsgesellschaft müsste gelungene Formen von Selbstmanagement und entschleunigter Lebensführung thematisieren. Etwa indem sie selbstbewusste oder gar eigensinnige Menschen als Vorbilder zeigen würde, die für sich eine individuelle Lebensform gewählt haben, im Sinne von: mehr Selbstbestimmung statt Selbstinszenierung.» Ein solcher Wertewandel ist indes noch in weiter Ferne.

Tagesimpuls, Freitag, 6. März 2015

Der Einsiedler

Es lebte einmal ein Einsiedler in der ägyptischen Wüste und wurde so von Versuchungen gequält, dass er nicht mehr lange aushalten konnte als Einsiedler zu leben. Er beschloss also seine kleine Hütte zu verlassen und an einen anderen Ort zu gehen. Als er sich seine Sandalen anzog, um wegzugehen, sah er nicht weit entfernt einen anderen Mönch, der sich ebenfalls seine Sandalen anzog. „Wer bist du?“, fragte er den Fremden. „Ich bin dein eigenes Ich.“, lautete die Antwort, „solltest du etwa meinetwegen diesen Ort verlassen, dann musst du wissen, wohin auch immer du gehst, ich stets mitgehen werde.“

Tagesimpuls, Mittwoch, 4. März 2015

Der Franziskaner Eligius Leclerc beschreibt in seinem Buch über das Leben des hl. Franziskus, daß der Heilige mit Bruder Leo unterwegs war und daß sie, als sie einen Bach überquerten und die Klarheit des Wassers bewunderten, angeregt von der Klarheit des Wassers an die Reinheit des Herzens dachten. Franziskus bemerkte, daß Bruder Leo traurig geworden war. Er sprach ihn an: »Du grübelst, scheint mir.« »Ja, wenn uns ein bißchen von dieser Reinheit vergönnt wäre, dann hätten auch wir die närrische, überbordende Freude unserer Schwester Quelle und die unwiderstehliche Kraft ihres Wassers.« Ein abgründiges Heimweh schwang in Leos Worten. Er starrte melancholisch auf den Bach – ein Bild der Reinheit, die sich dem Menschen für immer versagt. »Komm«, sagte Franziskus und zog ihn mit sich. Die beiden machten sich wieder auf den Weg. Sie schwiegen eine Weile, dann fragte Franziskus: »Weißt du, Bruder, was ein reines Herz ist?« »Wenn man sich nichts vorzuwerfen hat«, antwortete Leo, ohne lange zu überlegen. »Dann verstehe ich, daß du traurig bist, irgend etwas hat man sich immer vorzuwerfen.« »Eben, und deshalb habe ich die Hoffnung auf ein reines Herz aufgegeben.« »Ach, Bruder Leo, kümmere dich nicht so sehr um die Reinheit des Herzens! Sieh auf Gott! Bewundere ihn! Freu dich, daß es ihn gibt, ihn, den ganz und gar Heiligen! Danke ihm um seiner selbst willen. Eben das, mein kleiner Bruder, heißt ein reines Herz haben. Und wenn du dich so Gott zugewandt hast, wende dich vor allem nie auf dich selbst zurück! Frag dich nicht, wie du mit Gott stehst! Die Trauer darüber, daß man nicht vollkommen ist und daß man den Sünder in sich entdeckt, ist ein noch menschliches, ein allzu menschliches Gefühl. Du mußt den Blick höher, viel höher heben. Es gibt Gott, es gibt die Unendlichkeit Gottes und seine unwandelbare Herrlichkeit. Ein Herz ist rein, wenn es nicht abläßt, den lebendigen und wahren Herrn anzubeten. Es nimmt tiefen Anteil an Gottes Leben und ist so stark, daß es sich noch in all seinem Elend von der ewigen Unschuld und der ewigen Freude Gottes anrühren läßt. Ein solches Herz ist zugleich leer und übervoll. Daß Gott Gott ist, genügt ihm. Aus dieser Gewißheit schöpft es all seinen Frieden und all seine Freude. Und die Heiligkeit eines Herzens, auch die ist dann nichts anderes als Gott.« »Aber Gott verlangt, daß wir uns bemühen und ihm treu bleiben«, wandte Bruder Leo ein. »Gewiß, aber die Heiligkeit besteht nicht darin, daß man sich selbst verwirklicht, und besteht nicht in der Erfüllung, die man sich selbst verschafft. Heiligkeit ist zuerst einmal Leere, die man in sich vorfindet, die man akzeptiert und die Gott in eben dem Maße ausfüllt, in dem man sich seiner Fülle öffnet.«

Tagesimpuls, Dienstag, 3. März 2015

Die drei Siebe

Zu Sokrates kam jemand gelaufen und sagte: „Du, Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ „Stop!“, unterbrach der ihn, „hast du das, was du mir unbedingt erzählen willst, durch die drei Siebe rinnen lassen?“ „Welche drei Siebe?“, fragte der andere verwundert. „Nun, das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, aber ich hörte es erzählen und da habe ich …“ „Nun, wie ist es mit dem zweiten Sieb? Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?“ „Na ja, ich kann nicht sagen, dass es gut ist, aber …“ „Dann lass es. Wenden wir noch das letzte Sieb an. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“ „Notwendig nun gerade nicht, aber ich dachte mir …“ „Also“, sagte Sokrates, „wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, was du mir erzählen willst, lass es und belaste weder dich noch mich damit.“

Tagesimpuls, Freitag, 27. Februar 2015 Traum der Sophie Scholl

Da muß ich einen seltsamen Traum niederschreiben, einer von jenen wenigen, die nicht von einem so seltsam bedrückenden Gefühl beherrscht sind: Ich ging spazieren, mit Hans und Schurik. Ich ging in der Mitte und hatte bei beiden eingehakt. Halb ging ich im Schritt, halb hüpfte ich und ließ mich, von beiden in die Höhe gehalten, ein Stück schwebend mitziehen. Da fing Hans an: „Ich weiß einen ganz einfachen Beweis für die Existenz und das Wirken Gottes auch in der Gegenwart. Die Menschen müssen doch soviel Luft haben zum Atmen und mit der Zeit müßte doch der ganze Himmel verschmutzt sein von dem verbrauchten Atem der Menschen. Aber, um den Menschen die Nahrung für ihr Blut nicht ausgehen zu lassen, haucht Gott von Zeit zu Zeit einen Mund voll seines Atems in unsere Welt, und der durchsetzt die ganze verbrauchte Luft und erneuert sie. So macht er das:“ Und da hob Hans sein Gesicht in den trüben, trüben Himmel. Er holte tief Atem und stieß die ganze Luft in seinem Mund heraus. Die Säule seines hervorströmenden Atems war strahlend blau, sie wurde groß und größer und ging weit bis in den Himmel hinein, verdrängte die schmutzigen Wolken, und da war vor und über und um uns der reinste blaueste Himmel. Das war schön.

Hl. Matthias am 24. Februar 2015

Und in diesen Tagen stand Petrus im Kreis der Brüder auf – es waren etwa hundertzwanzig Personen versammelt – und sprach: Brüder! Das Schriftwort musste in Erfüllung gehen, das der heilige Geist einst durch den Mund Davids gesagt hat über Judas, der zum Anführer derer geworden ist, die Jesus verhafteten, da er ja zu uns gehörte und am gleichen Dienst teilhatte. Dieser kaufte von dem Lohn für seine Untat ein Grundstück; dort stürzte er, riss sich den Leib auf, und alle seine Eingeweide quollen heraus. Und das wurde allen Bewohnern Jerusalems bekannt; von daher heißt jenes Grundstück in der Sprache der Einheimischen Hakeldama, das heisst ‹Blutacker›. Es steht nämlich geschrieben im Buch der Psalmen: Sein Gehöft bleibe leer, und niemand wohne dort, und: Sein Amt erhalte ein anderer.Es muss also einer von den Männern, die uns begleitet haben die ganze Zeit, da Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, vom Tag der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, da er von uns weg in den Himmel aufgenommen wurde, mit uns Zeugnis von seiner Auferstehung ablegen – einer von diesen hier. Da stellten sie zwei auf, Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Und sie beteten: Du, Herr, der du die Herzen aller kennst, zeige uns, welchen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst zu übernehmen, das Apostelamt, von dem sich Judas abgewandt hat, um dorthin zu gehen, wo sein Platz ist. Und sie zogen das Los, und das Los fiel auf Matthias. Und er wurde zu den elf Aposteln hinzugewählt.

Tagesimpuls, Montag, 23. Februar 2015

„Das Gebet, das ein Mensch nach bestem Können verrichtet, hat große Kraft. Es macht ein bitteres Herz süß, ein armes reich, ein törichtes weise, ein verzagtes kühn, ein schwaches stark, ein blindes sehend, ein kaltes brennend. Es zieht den großen Gott in das kleine Herz; es trägt die hungernde Seele empor zu Gott, dem lebendigen Quell, und bringt zwei Liebende zusammen: Gott und die Seele.

Hl. Gertrud die Große + 1302

Tagesimpuls, Freitag, 20. Februar 2015 Jesaja zum richtigen bzw. falschen Fasten

Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Donnerstag, 19. Februar 2015 Fastenzeit

Leere

Der Reifen eines Rades wird gehalten von den Speichen,

aber das Leere zwischen ihnen ist das Sinnvolle beim Gebrauch.

Aus nassem Ton formt man Gefäße,

aber die Leere in ihnen ermöglicht das Füllen der Krüge.

Aus Holz zimmert man Türen und Fenster,

aber das Leere in ihnen macht das Haus bewohnbar.

So ist das Sichtbare zwar von Nutzen,

doch das Wesentliche bleibt unsichtbar.

Lao Tse